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Geschichte der Umweltphysik Die Gründung

Die Gründung des Instituts für Umweltphysik im Jahre 1974/75 fiel in die bewegte Zeit der „1968er Unruhen“. So konnte die entscheidende Fakultätsratssitzung im Sommer 1972 auf der die Gründung von der Fakultät beschlossen werden sollte (und schließlich auch wurde) zunächst nicht beginnen, da zahlreiche Studierende anderer Fakultäten (vor allem wohl Vertreter des damals „linken“ Allgemeinen Studenten Ausschusses, AStA) anwesend waren. Der Dekan, Joachim Heintze, brachte diese schließlich dazu den Raum (seinerzeit in der „Villa Bergius“ in der Albert Überle Straße) zu verlassen. Die Studierenden der Physik (und auch einer der Verfasser) durften bleiben, denn damals waren die Fakultätsratssitzungen fakultätsintern öffentlich. 

Wir Studierenden machten es uns auf den gusseisernen Heizkörpern gemütlich da die Stühle für den Lehrkörper der Fakultät reserviert waren. K.O. Münnich hatte einen Ruf an die (damals so bezeichnete) Kernforschungsanlage (KFA) Jülich und weitblickende Mitglieder der Fakultät wollten ihn in Heidelberg halten. Die Diskussion ergab schließlich dass ein neues Institut für „Physikalische Umweltforschung“, kurz „PUmf“ gegründet werden sollte.

Der Fakultätsbeschluss hatte schließlich zur Folge dass K.O. Münnich im September 1972 nach Heidelberg berufen wurde und dann im April 1973 nach nur neun Monaten aus Jülich zurückkehrte. Die vorläufige Bezeichnung schien wenig schlagkräftig und wurde auf Vorschlag von Walter Rödel durch den neuen Begriff „Umweltphysik“ ersetzt – der nachfolgend Namensgeber für viele Institute mit ähnlicher Ausrichtung werden sollte.

 

Erlaß des Kultusministeriums zur Gründung des Instituts für Umweltphysik vom 13.1.1975 (Teil b), unterzeichnet von Ministerialdirigent Schlau. Gleichzeitig erfolgte die Vereinigung der I. und II Physikalischen Institute (Teil b).Mit diesem Beschluß entwickelte sich in der Folge das Institut für Umweltphysik mit einer beträchtlichen Breite der Forschungsgebiete, wie in Abb. 7 dargestellt (siehe auch Heintze et al. 2019).

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Definition Umweltphysik

Der Begriffe Umweltphysik wird heute so definiert (siehe auch Roether und Platt 1997, Münnich 1998): Als Teilgebiet der Physik beschäftigt sich die Umweltphysik mit Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Fluß von Energie (Impuls?) und Materie in unserer Umwelt, d.h. innerhalb der klassischen Umweltsysteme Wasser, Boden, Luft und Ökosysteme, sowie zwischen diesen Systemen (Transferprozesse an den Grenzen). Das Wort Physik weist auf die spezielle Methode hin, quasi auf den Blickwinkel, unter dem die Probleme betrachtet werden. Ein methodischer Aspekt der Umweltphysik ist die Modellbildung, die dem Systemcharakter der Umwelt Rechnung trägt.

Das neu gegründete Institut konnte dann in einen der Neubauten der Theoretischen Medizin im Neuenheimer Feld 366 einziehen. Ein Beschluss des Fakultätsrates am 30.10.1974 sicherte dem Institut die nötige Ausstattung. Die formelle Gründung des Institutes wurde dann Anfang 1975 durch einen Erlass des Kultusmisteriums des Landes BW vollzogen.

Damals schon und seitdem ist das Institut stark geprägt durch die Arbeit der Studierenden, damals Diplomanden, heute Bachelor- und Master Studierende und natürlich die Doktorand:innen.
Münnich legte von Anfang an großen Wert auf eine gute Zusammenarbeit innerhalb des Instituts: Im IUP waren alle Türen offen, es wurde auch sehr darauf geachtet dass in den einzelnen Büros die Mitglieder der verschiedener Arbeitsgruppen möglichst gemischt wurden. Das beförderte die Instituts-interne Kommunikation und den Erfahrungsaustausch innerhalb der bald rasch wachsenden Zahl der Arbeitsgruppen. 

Zudem führte er die die „Elefanten-treffen“ ein, die in etwa wöchentlichem Rhythmus stattfanden und bei denen wissen-schaftliche und organisatorische Belange des Instituts besprochen und entschieden wurden. Zu den „Elefanten“ zählten die angestellten Wissenschaftler (also auch Post-Doktoranden) und „ältere“ Doktoranden. Die regelmäßige Elefantenrunde gibt es heute noch jeden Freitag am IUP. Auch stehen heute noch viele Türen offen, wenn auch nicht alle. Und noch immer gibt es Gruppenübergreifenden Büroraum und neuderdings sogar Sozial-Räume, einen Kicker und zahlreiche Sessel.

Daneben gab es – in unregelmäßigen Abständen – die „Transparenzversammlungen“ (kurz „Transparenz“, was – so das geflügelte Wort – sich nicht auf die Beschaffenheit des dabei genossenen Kaffees bezog) aller Institutsmitglieder. Beide Organe sorgten dafür dass alle im IUP über die Vorgänge im Institut informiert waren – und auch ihre Meinung zu Entscheidungen einbringen konnten. Es steht für die Chronisten außer Frage dass diese Maßnahmen eine der Erfolgsgeheimnisse der Umweltphysik waren.