Holozäne Chronometrie der Region Palpa (Peru)

Bearbeiter: Dipl.-Geol. Ingmar Unkel

Im Rahmen eines vom BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) geförderten Projekts zur "Entwicklung und Adaption archäometrischer Techniken: Ein Beitrag zur archäologischen Erforschung vorspanischer Kulturen in Südperu" bildet die Chronometrie ein Teilprojekt. Das Hauptziel des Projektverbundes ist die Datierung der Nasca-Kultur und der von ihr in der Region um Palpa hinterlassenen weltberühmten Geoglyphen. Unser Radiokohlenstoff-Labor befasst sich dabei vorwiegend mit der Datierung von organischen Resten aus Gräbern in der Nähe der Geoglyphen sowie von Holz und Strohresten aus Gebäuden, die von der Nasca-Kultur während Ihrer Blütezeit zwischen 200 v.Chr. und 600 n.Chr. errichtet wurden.

Die Datierung der 14C-Proben erfolgt mittels der AMS-Technik (Beschleuniger-Massenspektrometrie / Accelerator Mass Spectrometry). Die hierzu erforderliche Aufbereitung der Probe bis zum messfertigen Target, der Aufbau der dazu benötigten Anlage und deren Automatisierung ist Teil einer Dissertation, die im Rahmen des Projektes gefördert wird.

Geographie:

Palpa liegt etwa 80 km südlich von Ica und etwa 40 km nördlich von Nasca, dem die Kultur ihren Namen verdankt.

(Bildquellen: KAAK, Bonn ; INGEMMET/ Peru, modifiziert)

Geoglyphen:

 
Mit den Geoglyphen selbst beschäftigen sich innerhalb des Projektverbundes andere Forschergruppen. 

Die Kartierung, GIS-gestützte Aufnahme und Auswertung der Scharrbilder in der Region Palpa wird derzeit vom Institut für Geodäsie und Photogrammetrie der ETH Zürich unter der Leitung von Prof. Armin Grün durchgeführt. 

Mit der direkten Datierung der Bilder mittels OSL (Optisch stimulierter Lumineszenz) beschäftigt sich die Forschungsstelle Archäometrie der Heidelberger Akademie der Wissenschaften unter der Leitung von Prof. Günther Wagner.

Bilder

Proben:

das Probenmaterial setzt sich wie folgt zusammen:

Knochen - von Mumien oder Lamas
Holz und Pflanzenresten - Holzbalken aus Gebäuden, Stroh aus Lehmziegeln, Rhizome aus Löss
anorganische Karbonate - Gehäuse von Lössschnecken

 

Bilder

 

von der Probe zum Target

als Vorbehandlung wird der standardmäßige AAA-Aufschluß (Acid-Alkali-Acid) angewandt.
die Probe wird in einer Glasampulle zusammen mit Kupferoxid (als Sauerstoffquelle) und Silberwolle (zum Binden von Schwefel und Chlor) eingeschmolzen und im Muffelofen bei 900°C verbrannt.
das so erzeugte Proben-CO2 wird in einer Aufbereitungsanlage zusammen mit Wasserstoff zu reinem Graphit reduziert. Als Katalysator und gleichzeitig als Trägermaterial für das Beschleuniger-Target dient Eisen- oder Kobalt-Pulver.

Eine sehr schöne und ausführliche Beschreibung der Target-Aufbereitung befindet sich auf der Homepage des PSI an der ETH Zürich. Am dortigen Beschleuniger werden auch die Proben aus dem hier beschriebenen Projekt gemessen.

Skizze der Target-Aufbereitungsanlage im Heidelberger Radiokarbon-Labor (Zeichnung: I. Unkel)

Seit Oktober 2004 ist die 6-fach parallel Anlage in Betrieb (Fotos: Unkel, Oestergaard)